Lutz Poppe



Ein Nachruf auf

Lutz Poppe,

unserem lieben Freund und Kollegen,
Schüler und Lehrer,
der unfassbar und ganz plötzlich verstorben ist.

Da versammeln sie sich wieder, jeden Abend, in der Nacht, um zu leuchten und zu strahlen, jeder einzelne für sich und im Verbund zu den Bildern, die wir aus unseren Übungen her kennen, um im Üben zu sehen, mehr ein Schauen, zu erfahren, zu erkennen, das Gesetz nach dem sie wandeln. Lassen sie leuchten, ihnen zu Ehren, während wir üben, während wir fragen, ob im einsamen Selbstgespräch oder schweigend miteinander, zusammen vereint. Sterne!

Grausam erreicht uns die Nachricht: Mitten aus dem Leben gerissen! Unfassbar der Gedanke, unabänderlich das Geschehen!

Ruf der Wildgänse
Da fliegen sie wieder, im Oktober gen Süden, in die Weite, in das Licht: Wildgänse. Lutz liebte das Wildgans-Qi Gong, übte ständig, meisterte zusammen mit uns Form um Form. Traditionell (fast) richten wir Anfang Dezember, im Advent, in dem von ihm geführten Haus, das von ihm verwandelt wurde in eine Oase der Erholung und Quelle der Kraft, ein Wochenend-Seminar aus. Auch dieses Jahr wollte er wieder mit dabei sein, sofern seine Termine und Pflichten ihm Zeit und den Raum ließen, um mit uns die Formen der „Großen Wildgans“ zu üben. Nun aber zieht er selbst mit den Gänsen in die Weite der Unendlichkeit, in die Ferne zurück. Denn: „Es ist eine Ferne, die war, von der wir kommen. Da ist eine Ferne, die sein wird, zu der wir gehen.“, so wissen wir es von Goethe, einem weiteren Genie.

Schicksalhafte Verbundenheit
Im Nachlass seines Vaters fand er Korrespondenzen mit uns, die ihm Anlass wurden Qigong-Lehrer zu werden, um im Anschluss mit uns zu verfeinern, zu bearbeiten, zu vervollkommnen das Werk, beständig fortzusetzen seines eigenen Vaters Weg.

Ren
Im altchinesischen Denken ist die höchste Form des Menschseins „Ren“, dienen, Diener zu sein, den Mitmenschen zum Nutzen, den Göttern zum Wohlgefallen. Lutz war für alle und jeden einzelnen da, kümmerte sich um jeden Gast, Mitarbeiter, Geschäftspartner und Freund, um stets das Beste für jeden und alle auszuschöpfen, zu gestalten.
„Alles jut!“, sprach er ihnen zu, so war seine Geisteshaltung, seine Gesinnung. Wir kannten keinen arbeitsameren und aufrichtigeren, loyaleren und herzlicheren Menschen, unterstützt von seiner lieben Frau, Carmen, die ihm beistand und den Rücken stärkte. Beiden galt immer unser höchster Respekt.

„Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! “ (Goethe). So kannten wir ihn.

Unwirklich der Gedanke, so hart, in der Tat.
Wir werden ihn vermissen, nicht nur, er wird uns fehlen. Aber nachts und in dunklen Zeiten wird er strahlen und uns leuchten, als Stern, den wir kannten, als endliches Glück: Lutz Poppe.

Es ist schwer, die passenden Worte zu fassen, sie zu greifen, aus den Gedanken, die da schwirren und da kreisen. Und die Worte, die wir hier finden, die Zeilen, die wir schreiben, sind nicht die unseren, nicht die eigenen, sondern uns gekommen, haben wir erhalten, aus dem Leben selbst nur geschöpft.

An der Jade und am Main, im Advent 2021

Andrew & Ingo