Professor Dr. Hermann Schmitz



Der bedeutendste Philosoph des Abendlandes,
Professor Dr. Hermann Schmitz,

Begründer der „Neuen Phänomenologie“,
ist gestorben.


– Ein Nachruf –

Rose, du thronende, denen im Altertume
warst du ein Kelch mit einfachem Rand.
Uns aber bist du die volle zahllose Blume,
der unerschöpfliche Gegenstand.

(Rainer Maria Rilke)

(Traueranzeige und unsere Gedenkkerze auf – Lebenswege)

Der bedeutendste Leibphilosoph und letzte große Universalphilosoph, Hermann Schmitz, ist im Mai des Jahres 2021, fast 93-jährig, verstorben. 11 Tage nach seinem Todestag, am 16. Mai, wäre es soweit gewesen. Am 5ten Tag des 5ten Monats des Jahres 2021 – mit der Quersumme 5 – hat er seine letzte Reise als die Person, die er war, als letzte Reise in die Weite angetreten, um eines der größten Geheimnisse des Menschseins zu erfahren, den Tod. Als Philosoph der Vernunft, als ernüchternder Philosoph, der aufräumte, wo es aufzuräumen gab und galt, konstatierte er: “ Es gibt keinen vernünftigen Grund dafür, zu glauben, dass mit dem Tod alles vorbei ist. Nur wird es nicht so sein, wie wir es uns vorstellen können.“ Es bleibt offen.

Im Mai 2021 haben wir das letzte Mal an die Hausadresse von Hermann Schmitz, anstelle einer Geburtstagskarte, eine Beileidskarte geschickt mit einem Zitat von Johann Wolfgang von Goethe:

„Es ist eine Ferne, die war,
von der wir kommen.
Es ist eine Ferne, die sein wird,
zu der wir gehen.“

Unsere Begegnung mit seinen Schriften, die nicht unbedingt leicht zu verstehen sind, haben für uns und unsere Arbeit, unser Leben, viel bewirkt.

Für ihn war Philosophie ein Sichbesinnen des Menschen auf sein Sichfinden in seiner Umgebung.

Wir standen in Kontakt. Seit etwa 30 Jahren begleiten uns seine Werke. Wir entdeckten in seinen Schriften, dass er davon sprach, was wir in unseren Übungen am eigenen Leibe erfuhren, denn unsere Übungen sind Leibesübungen.

Nach Hermann Schmitz ist leiblich das, was jeder von sich selber spüren kann, ohne Zuhilfenahme der fünf Sinne, also des Hörens, Sehens, Tastens, Riechens und Schmeckens.

Hermann Schmitz hat, unter anderem, eine Sprache vorbereitet, um über den Leib reden zu können. Wir haben uns die Nutzung dieses Ansatzes in der Vermittlung unseres Übungsgutes zu eigen gemacht.

Wir sagen gerne: Nachts, im Dunkeln, mit Licht aus und Augen zu…

In einer persönlichen, einer seiner letzten handschriftlichen Widmungen, nannte er uns „Vorkämpfer der Verbindung von Neuer Phänomenologie und chinesischer Medizin“.

Hermann Schmitz war ein Mann, der sich traute zu denken, was er wahrnahm und darüber schrieb und der schreiben konnte. Er begründete die von ihm so genannte „Neue Phänomenologie“, die auf der alten Phänomenologie (Husserl) aufbaute, und verstand es, seine ihm zuströmenden Gedanken in einer ganz eigenen Art in oftmals wortgewaltigen, komplexen Satzgefügen und miteinander verbindenden Satzreihen zu fassen und verständlich zu machen, unter anderem in seinem zehnbändigen Werk „System der Philosophie“, das er in den Jahren 1964 bis 1980 schuf. Dem sich einübenden und geübten Leser und Denker offenbart sich dann, möglicherweise, eine andere Weltsicht, die nicht oben, abgehoben, einer Lehre abhängig ist, sondern ganz nahe, bei sich selbst bleibend und beginnend, anfängt, nämlich am eigenen Leibe gespürt. Eine Garantie aber gibt es dafür nicht.

Seine Intelligenz war enorm, seine Erkenntnisse gewaltig, aber neben der Genialität nicht harmlos.
Er entdeckte, unter anderem, dass unsere Vorstellung von „Seele“ eine Konstruktion von Demokrit und Platon war, die, bei genauerer Betrachtung, nicht haltbar und sogar schädlich ist. Er konstatierte: die Seele gibt es nicht!

Um die Jahrtausendwende herum kam dann Otto Carstens, ein Wegbegleiter von Hermann Schmitz, ein ganz außergewöhnlicher Mann, zu uns, der über unsere Veröffentlichungen auf Video auf uns aufmerksam geworden war.

Es entstand eine für uns ganz wichtige Verbindung, eine Freundschaft, wir wurden uns gegenseitige Lehrer. Für uns begann unser größtes geistiges Abenteuer und die aufregendste Zeit unserer Übungspraxis, ja, unseres Lebens, unserer Selbstfindung.

Am 10. Oktober 2021 wäre Otto Carstens 96 Jahre alt geworden, dem Tag, an dem wir ihm und Hermann Schmitz mit einer „Einführung in die Neue Phänomenologie“ gedachten, diesen beiden großartigen Männern, auf dass ihre Gedanken und Taten nicht vergessen werden und weiterhin zum Wohle der Menschen wirken.

Für den 16. Mai 2022 haben wir zum ehrenden Gedenken an Hermann Schmitz eine Einführung in die „Neue Phänomenologie“ an der Volkshochschule Wilhelmshaven vorgesehen mit dem Thema:

„Leibsein als Aufgabe“.


Wilhelmshaven und Ochsenfurt, im Januar 2022

Andrew Dabioch & Ingo Schmitt